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Die zweite Fuß-Spur

Ich träumte, ich sehe meine Fußspur an einem sehr langen Sandstrand. Diese Spur stellte meinen Lebensweg dar, den ich bisher gegangen war. Sie führte durch weichen Sand, aber auch durch Disteln, hartes Gras und oft über schroffe Felsabschnitte.
Neben meiner Spur sah ich aber noch eine zweite Fußspur, die fast immer daneben war. Ich erkannte, dass diese Spur Gott gehörte, der mich stets begleitete.
In vielen schwierigen und unbequemen Abschnitten des Weges sah ich nun, dass da nur eine Spur war. Ich fragte mich, weshalb Gott mich in diesen schwierigen Situationen so oft allein gelassen hat.
Da vernahm ich eine liebevolle Stimme aus meinem Inneren: „Diese Stellen, mein Kind, wo du nur ein Paar Fußabdrücke siehst, waren die schwierigsten Abschnitte deines Lebens. An diesen Stellen habe ich dich getragen...“

Die große Kraft

Die Götter diskutierten einst, wo sie die Große Kraft, das Göttliche Licht verstecken könnten, sodass es vor den Menschen sicher war. Ein Vorschlag lautete: Auf dem Gipfel des höchsten Berges. Doch entgegneten die anderen Götter, dass die Menschen bald auch die höchsten Gipfel der Erde erklommen haben würden. Oder auf dem Grunde des Ozeans? Nein, sagte eine Göttin, da kommen die U-Boote auch bald hin.
Schließlich hatte einer der ältesten eine Idee: „Wir verstecken das Heilige Licht im Menschen selbst – da wird er nie danach suchen!“

Uns so geschah es. Nur sehr wenige Menschen haben das Licht und die göttliche Kraft gefunden, die meisten suchen außerhalb.

Wir Menschen suchen im Außen nach dem Licht, nach dem Glück.
Der wahre Schatz ist aber IN uns. Unendlich viel Liebe, Glückseligkeit und Frieden. Wir brauchen also nicht weiter im Außen suchen, sondern unsere INNERE Welt erforschen.

weisheitsgeschichten

Das Wetter

Ein Wanderer trifft auf einen Schäfer. Er fragt ihn, wie wohl das Wetter in den nächsten Tagen werden würde. Der Schäfer antwortet: „So, wie ich es gerne habe."
„Woher wissen Sie, dass das Wetter so werden wird, wie Sie es mögen", fragt der Wanderer. „Sehr einfach", antwortet der Schäfer. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht immer das bekomme, was ich möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich mir sicher, dass das Wetter so wird, wie ich es mag."

Der Eremit und die Maus

Ein Eremit saß meditierend in der Einsamkeit. Da huschte eine Maus herbei und knabberte an seiner Sandale. Verärgert öffnete der Eremit die Augen und sagte: „Warum störst du meine Meditation?“ „Weil ich Hunger habe“ sagte die Maus. „Geh weg du nichtsnutzige dumme Maus. Ich suche gerade die Einheit mit Gott, wie kannst du mich dabei stören?“ Da sagte die Maus: „Wie kannst du einig werden mit Gott, wenn du nicht mal einig wirst mit mir?“

Die Kobra und das Seil

Es war schon dunkel, als der Mann heimkehrte. Plötzlich stieg er auf etwas, das nur eine riesige Kobra sein konnte. Zu Tode erschrocken sank er nieder, nur um wenig später erleichtert aufzuatmen: was er im ersten Augenblick für eine Kobra hielt, war ein auf der Straße liegendes Seil.
In diesem Aufatmen, diesem Lichte des Erkennens - wo ist die Kobra? War da jemals eine Kobra? Sie war nur in seinem Geiste, nur in seinem unrichtigen Erkennen.

Sobald das Licht der Erkenntnis angeht, verschwindet das Trugbild (die Schlange) und es ist fast, als wäre es nie gewesen. Das Seil ist Wirklichkeit, die Schlange lag nur im Geiste - im unrichtigen Erkennen.

Wenn ich stehe, dann stehe ich...

Ein Schüler fragte seinen Meister: „Wie schaffst du es so zentriert und ruhig zu sein und dennoch so viel Arbeit zu leisten?" Der Meister sagte: „Das ist sehr einfach. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich."
Der Schüler verstand nicht: „Aber das tun wir doch alle, Meister!" „Ich fürchte, das tut ihr nicht. Wenn ihr steht, dann geht ihr schon; wenn ihr geht, dann sitzt ihr schon; wenn ihr arbeitet, denkt ihr schon ans Essen. Wenn ihr esst, seid ihr schon bei der nächsten Tätigkeit."

Der Vedantische Löwe

Eine Löwin wurde, kurz nachdem sie ihr Junges zur Welt gebracht hatte, von einem Jäger getötet. Das Löwenbaby lag nun allein in der weiten Steppe. Zu seinem Glück kam jedoch noch am gleichen Tag eine Schafherde vorbei und eine mitleidige Schafsmutter beschloss, das Löwenbaby zu adoptieren und gemeinsam mit den eigenen Kindern aufzuziehen. So wuchs das Löwenbaby heran, lernte von seinen neuen Freunden, was ein Schaf wissen muss: Wo man die saftigsten und würzigsten Gräser findet, wie man wie ein Schaf blökt und vor allem, dass man sich vor den großen, gefährlichen Löwen in Acht nehmen muss. Der junge Löwe lernte das alles und beherzigte es; er glaubte tatsächlich, ein Schaf zu sein!

So vergingen einige Jahre und der Löwe war nun ausgewachsen, groß und mächtig. Obwohl er die anderen Schafe an Größe und Kraft weit überragte, hielt er sich noch immer für ein Schaf. Da kam eines Tages der gefürchtete Löwenkönig aus den Bergen, um sich ein Schaf zu reißen. Er traute seinen Augen kaum, als er inmitten einer Schafsherde einen Löwen friedlich grasen sah! Erschreckt floh nun die Schafsherde und mit ihr das "Löwenschaf". Der Löwenkönig änderte nun seine Pläne, fing den flüchtenden Schafslöwen ein, der vor Angst zitterte und brüllte ihn an: „Bist du verrückt? Was machst du hier in der Schafsherde? Frisst du Gras???" „Was soll ich sonst fressen? Ich bin doch nur ein kleines, schwaches Schaf. Bitte tu mir nichts, lass mich laufen. Ich will zu meiner Familie zurück!"

Doch der mächtige Löwe zerrte den Schafslöwen zu einem nahen See und zwang ihn, hineinzuschauen. Da begann es dem noch vor Angst schlotternden Löwen zu dämmern und allmählich wurde es ihm klar: Er war ein Löwe und kein kleines, schwaches Schaf.
Er erhob seine Stimme und - nach ein wenig Übung - brüllte er ebenso gewaltig wie sein Lehrer, mit dem er nun in die Berge zog.



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